MIA'S KOLUMNEN

Ferien so pauschal mal anders

Kolumne 6 / Neue Luzerner Zeitung, 10.09.2007

Normalerweise bin ich kein Freund großer Hotelanlangen und allein das Wort „Pauschalurlaub“, lässt mich in Angst erzittern. Aber da ich  sehr bestrebt bin, meinen eigenen Vorurteilen an den Kragen zu gehen und ich außerdem noch kein neues Thema für meine Kolumne hatte, wurde das pauschale Erlebnis unvermeidbar. Gesagt, gebucht, gelandet. Und da die Landung am Ferienzielort besonders gelungen war, gab es für den Piloten erstmal eine Standing Ovation. Danach wurden wir von Flughafen via Shuttlebus direkt  zum gebuchten Hotel gefahren. Sogleich machte sich ein erster Vorteil des Pauschalreisens bemerkbar. Statt auf das Mietauto zu warten oder nach Verkehrverbindungen Ausschau zu halten, konnte man sich entspannt zurücklehnen und wurde gefahren. Bei Ankunft in der Hotel Lobby,  war es dann endlich soweit. Der Moment der Übergabe war gekommen. Uns wurde der Freipass zu sorglosem Konsum,   grenzenlosem Genuss und zur  unkontrollierten Völlerei, in Form eines All Inklusiv - Bändchens, umgebunden. Das Abenteuer konnte  beginnen! Und es begann genau um Punkt 10 Uhr des nächsten Morgens. Ich stand augenblicklich und mit weit aufgerissenen Augen im Bett, als die lustig, fröhliche Animationsmusik über die Hotelanlage, direkt in meine Ohren schallte. Und das trotz Ohrstöpsel. Aber was soll’s, die Sonne schien und das Meer wartete. Fest entschlossen mich nicht von einfältigen Musikkompositionen aus der Ruhe bringen zu lassen, bahnte ich meinen Weg, durch quitsche gelbe Luftmatratzen, hinunter zum Frühstücksraum. Der Frühstücksraum war eine riesige Terrasse und zu meiner Erleichterung fast  leer. Pauschalurlauber sind also keine Spätaufsteher. Beim Versuch den Kater des vorabendlichen Pauschalbesäufnisses in Kaffe zu ertränken, wurde ich dann erneut vom Animations-Hit überrascht. Mein Blick wanderte zum überfüllten Pool, wo ich einige der korpulenteren und von der Sonne geröteten Hotelgäste erblickte, die unter lautem Ansporn eines als Transvestit verkleideten Animateurs, tanzten. Ungläubig nahm ich meine Sonnenbrille von der Nase, als ich sah, wie die Urlauber der gar nicht mal so leichten Choreographie, mit einer geradezu grazilen Leichtigkeit folgten. Eins war klar: Der „Pauschalianer“  an sich, war fit … und Transvestiten gegenüber tolerant.
Nach meinem Spät-z’morge ging ich zum Strand. Die besten Plätze unter der Sonnenabdeckung waren natürlich längst belegt. Mir wurde sofort klar, dass ich mich rann halten musste, wenn ich mit den anderen mithalten wollte. Ich entschloss mich die Herausforderung anzunehmen und als demonstrative Kampferklärung, besuchte ich die Step -Aerobic-Klasse um 16:00. Am nächsten Tag war ich früh morgens am  Strand und sicherte mit einem Hechtsprung, die besten Liegestühle. Danach diskutierte ich mit einer sechs Jährigen über die  verschiedenen Wasserrutschtechniken. Solch tolle Gespräche und der Fakt, dass ich eine Woche lang nicht mit Geld in Berührung kam, haben mich bestens entspannt. All Inklusiv- sei Dank.


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