MIA'S KOLUMNEN

Das Tier in mir

Kolumne 17 / Neue Luzerner Zeitung, 15.12.2008

Da haben wir’s. Wir  müssen uns mal wieder mit einer der widerwärtigsten menschlichen Eigenschaft konfrontieren. Wobei wir dafür keine Finanzkrise gebraucht hätten. Gandhi hat schon vor 120 Jahre erkannt, dass die Welt genug hat für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. Aber Gandhi musste auch nicht an drei Schuhläden vorbei, wenn er Stadteinwärts wollte. Der Kapitalismus stellt definitiv eine große Herausforderung dar, im Kampf gegen die Gier. Aber es sind ja nicht nur die materiellen Verlockungen. Die Gier ist ein Bestandteil des Menschseins. Wir wären nicht so weit gekommen, wären wir nicht gierig zu überleben. Oder was ist mit der Neugier? Ohne die Gier nach Wissen, wäre keine Entwicklung möglich. Das Giertier (cupiditas mammalia) bewohnt also jedes menschliche Wesen. Es gehört zur Gattung der Säugetiere. Es saugt dem Menschen die ganze Energie aus, wenn er/sie es zulässt. Besonders problematisch ist dabei seine Unersättlichkeit. Das Giertier ist sehr triebhaft. In seinem promiskuitiven Paarungsverhalten, ist es nicht selten der Fall, dass eine Verschmelzung zwischen Tier und Religion statt findet. Die Konsequenzen sind eigennütziges, manipulatives  Verhalten. Eine fatale Verbindung, die es unter allen Umständen zu vermeiden gilt. Im Umgang mit dem Tier ist man sowieso gut beraten, es an die Leine zu legen. Es braucht moralische Erziehung und man sollte es nur frei lassen, wenn keine Mitmenschen zu Schaden kommen können. Das Giertier ist das einzige Tier, das noch hungriger wird, wenn man es füttert. Am besten man mischt eine große Menge Selbstverantwortung in die Nahrung. Füttert man dem Giertier beispielsweise Aktien zum Frühstück, sollte man stets verantworten können, welche Unternehmen man mit seinem Geld unterstützt, egal wie hoch die Gewinnchancen sind. Moral und Verantwortung für sich selbst und seine Mitmenschen, findet das Giertier zum Kotzen…was gut ist. Denn wenn es kotzt, macht es nichts blöderes. Man provoziert es enorm, wenn man sich mit anderen Menschen vergleicht, besonders wenn  die anderen mehr haben. Auch ein Spaziergang durch Einkaufspassagen könnte unter Umständen anstrengend werden. Aber man kann es leicht zähmen, wenn man ihm das gibt, wonach es am stärksten hungert: Liebe und Anerkennung. Es reicht oft schon sich selbst liebevoll anzuerkennen, um es für einige Zeit ruhig zu stellen. Manche haben  sogar festgestellt, dass durch diese spezielle Diät, das Giertier das Interesse an Materie fast gänzlich verliert und es vorwiegend durch nichtkäufliche Dinge befriedigt ist. Das Giertier ist in der Regel ein Einzelkämpfer doch Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich im Menschen eine erhöhte seelische Ausgeglichenheit einstellt, wenn das Giertier in Gesellschaft des Säugetiers „Schweinehund“, gehalten wird. Nicht selten findet zwischen Giertier und Schweinehund heftiges Kräftemessen statt was sich ausgleichend auf das menschliche Gemüt auswirkt. Der Schweinehund, auch „der innere Schweinehund“ genannt, wird oft zu unrecht von der menschlichen Spezies als unangenehmes Hindernis empfunden, dass es zu überwinden gilt.


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