Der Düsentrieb des Mikrokredit
Kolumne 14 / Neue Luzerner Zeitung, 18.08.2008Laut Star Trek Enterprise, Folge „Carbon Creek“, sind die Vulkanier die Erfinder des Klettverschlusses. Moooment! Wer hat’s erfunden? Genau. Georges de Mestral, ein Schweizer Ingenieur. Es ist dann wohl als Würdigung zu verstehen, dass der Vulkanier in der Serie auch „Mestral“ heißt. Ich bin prompt stolz. Wir sind nicht bloß die Daniel Düsentriebs der Schokoladenkultur, wir können noch viel mehr. Wenn mich das nächste Mal, ein Germanen-Hektiker „lahmarschig“ nennt, sage ich: „Lahmarschig am Arsch, wir haben den Turbo erfunden…und LSD… da kuckste wa ?“ Na gut, auf letzteres kann man vielleicht verzichten. „Lucy in the sky“, singe ich auch nach einem Lungenzug vom Schweizer- Wunderbaum. Die Top drei meiner aktuellen Lieblingserfindungen sind allerdings nicht swiss-made. Dafür sind sie kommerziell erfolglos und verbessern die Welt. Platz Nr.3: Der Club „Watt“ in Rotterdam, eine Idee von Stef van Dongen. Die Tanzfläche erzeugt aus den Bewegungen der Tänzer Energie. Und ein Kondensator zieht den Schweiß aus der Luft und leitet ihn als Spülwasser in die Toiletten. Platz Nr.2: Das Programm „Psiphon“ von Ronald Deibert, ermöglicht es Menschen, die in einem Land ohne Pressefreiheit leben, sich anonymen Zugang zum Netz zu verschaffen. Wir können das Programm über www.psiphon.civisec.org auf unsere Rechner laden und fungieren dann als „Vermittlerserver. “So fällt das schlechte Gewissen beim Olympia kucken weg, denn gleichzeitig schlagen wir die chinesische Regierung in der Disziplin: “Zensur-Hürdenlauf“. Nr.1: Der Mikrokredit. Der Erfinder Mohammed Junus, bekam für seine Idee 2006, den Friedensnobelpreis. Mittlerweile gibt es auch Grossbanken, die Mikrokredite anbieten, natürlich aus geschäftlichem Interesse. Aber wir wollen ja die Welt verbessern. Deshalb ist beispielsweise das Nonprofit-Unternehmen „Kiva“, ideal für Internetnutzer. Moment mal…so da bin ich wieder. Ich war jetzt mal kurz auf www.kiva.org und hab einen Minikredit an Kasifa Nakazibwe, nach Uganda geschickt. Ich kann jetzt also aus eigener Erfahrung berichten, dass die Vorgehensweise „bubieifach“ ist. Kasifa braucht den Kredit um Pfannen zu kaufen, für ihr Snackherstellungs-Unternehmen. Mit dem Verkaufsgewinn, will sie die Schulgebühr für ihre Kinder bezahlen. Die Meisten schaffen eine 100 % Rückzahlung des Kredits, natürlich ohne Zinsen, innerhalb eines Jahres. Wir reden hier also nicht von Almosen, sondern der Kreditnehmer, wird in seinen Ideen und Unternehmungen unterstützt. Selbst ein Student, kann sich den Mindestkredit von 25$ leisten und im Vergleich zu üblichen Spendengeldern, ist der Geldfluss sehr transparent. Man kann die Geschäftsentwicklung mitverfolgen. Mehrheitlich sind es Frauen, die Mikrokredite beziehen, was die Position der Frau in Drittweltländern erheblich verbessert. Wer weiß, vielleicht bringt die Schweiz ja auch noch ein paar sozial-öko- Düsentriebs hervor. Klar, so ein schwarzes Loch, muss man auch erst mal herstellen, aber wäre ja Käse, wenn wir am Ende als Weltzerstörer, statt als Weltverbesserer unter gingen.











