MIA'S KOLUMNEN

DNA-Googlen

Kolumne 13 / Neue Luzerner Zeitung, 14.07.2008

Blond, sportlich, attraktiv, sucht einen liebevollen Partner für’s Leben. Foto und Gen-Analyse, bitte an folgende e-mail Adresse: eva@optimierdich.ch. Darf ich vorstellen: Die Partnersuch- Anzeige der Zukunft. Wer glaubt, der Exhibitionismus im Internet, hört bei homemade Pornos auf, hat weit gefehlt. Sätze wie:“ Ich schaue mehr auf die inneren Werte“, bekommen zukünftig eine ganz andere Bedeutung. Die Firma „23andMe“,  entschlüsselt deine DNA. Sie sagt dir woher du kommst und wohin du gehst. Einmal in’s Plastikröhrchen spucken und ab in’s Labor. Nach ein paar Wochen, weißt du, wie weit der Apfel vom Baum gepurzelt ist und wie viele derselben du pro Tag essen solltest, damit du nicht bald im Krankenhaus liegst. Auf den ersten Blick keine dumme Sache. Man erfährt seine genetischen Schwachstellen und kann entsprechend darauf reagieren. Es wäre doch auch interessant zu erfahren, ob es z.Bsp. genetisch erklärbar ist, dass manche Menschen, das gesamte Bordeaux in einem Weinglas riechen können, während andere totale Dumpfnasen sind. Und wenn ja, wer hat sonst noch das Lafite -Gen? So, damit wären wir wieder am Anfang angelangt, beim Preisgeben und Vergleichen der eigenen DNA. Und tatsächlich ist 23andMe, eine Web-2.0- Firma. Das heißt, man kann sich mit anderen registrierten Usern, ähnlich wie bei Facebook oder Xing, austauschen und im Falle von 23andMe, die DNA veröffentlichen. Das würde bedeuten, dass wir uns in Zukunft nicht  nur von Äußerlichkeiten, sondern auch noch von Innerlichkeiten unter Druck setzen lassen. Neben Foto und Typangaben, würde bei Partnersuchseiten, zusätzlich das Genom zum Kriterium werden, ob man jemanden überhaupt persönlich kennen lernen möchte. Potente Partner könnten mit Skepsis reagieren, wenn man seine DNA nicht preisgeben will. Hat sie/er etwas zu verbergen? Linda Avey und Anne Wojcicki, die Gründerinnen von 23andMe, sehen darin offensichtlich kein Problem. Sie heben ihr „Fun Sharing- Feature“ sogar hervor. Theoretisch besteht die Möglichkeit, seine eigene DNA, mit der von berühmten Menschen zu vergleichen. Was daran „fun“ sein soll, hab ich noch nicht raus gefunden. Nur mal angenommen ich hätte die genetische Voraussetzungen für einen Madonna- Knackarsch. Dann gebe es keine Ausrede mehr, keinen zu haben. Ähnlich stressig ist es mit einer „Normalo-DNA“. So nach dem Motto:“ Na ja, mit der DNA, kann ich auch gleich im Bett bleiben“. Selbst wenn man die Analyse nicht mit anderen vergleicht, kann die bloße Information, dass man ein erhöhtes Risiko auf Krankheiten wie z.Bsp. Alzheimer oder Krebs hat, schon gewaltig stressen. Klar, es geht hier um Eventualitäten und die äußeren Lebensumstände haben einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit. Trotzdem würde ich zum Cyberchonder mutieren. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass man nicht nur in’s Röhrchen, sondern auch auf den Datenschutz spuckt. Spätestens jetzt, könnte man skeptisch werden, denn der größte Geldgeber von 23andMe ist Google.


Zurück